Der heutige Beitrag: Bio-Fleisch und artgerechte Tierhaltung! Doch vorher möchte sich der Gartenbauverein Derching bei Walter Hollmann für seinen Einsatz in den Sommermonaten bedanken. Jahr für Jahr ist er bereit, uns bei der Pflege der Derchinger Streuobstwiese zu unterstützen. Herzlichen Dank Walter!

Walter Hollmann – Bio-Bauer aus Miedering

Als junger Idealist ohne landwirtschaftliche Qualifikation übernahm Walter Hollmann vor 30 Jahren den Hof seiner Eltern. Ein Bio-Bauernhof in Miedering sollte es werden. Die damals rund „50“ Einwohner im Ortsteil der Gemeinde Affing haben nicht schlecht gestaunt. Manche tun es vielleicht heute noch?! Böse Kommentare hat es jedenfalls nie gegeben.

Hollmann ging und geht es darum, ohne Pestizide und ohne synthetischen Stickstoff zu wirtschaften. Bio-Fleisch und artgerechte Tierhaltung bedeutet für ihn Importfuttermittel abzulehnen. Vor allem aber den Tieren eine artgerechte Haltung zu ermöglichen. Eine Haltung, wo man sagen kann: „denen geht es gut“. Die vielen Jahre haben gezeigt: Ökologische Landwirtschaft funktioniert. Zudem steigt das Interesse an Bio-Fleisch (wenn auch langsam), stetig.

Bio-Fleisch vom Bio-Bauernhof Hollmann

Wer Bio kauft, will wissen wo Bio herkommt. Beim Bio-Bauern Hollmann geht es vor allem um Bio-Fleisch. Diese Bio-Fleisch stammt von 100 bis 150 Schweinen im Alter von drei bis neun Monaten. Diese Schweine leben mit 20 Rinder im Alter von drei bis 36 Monaten gemeinsam (mit ein paar Katzen und vielen Spatzen) unter einem Dach. Die Tiere haben viel Platz im Stall und einen großzügigen Auslauf. Die Liegeflächen werden regelmäßig frisch eingestreut, damit sich die Tiere auch wohl fühlen.

Wir alle kennen die schrecklichen Bilder über Massentierhaltung. Auf dem Bio-Bauernhof von Walter Hollmann ist davon nichts zu sehen. Außer Spielen, Suhlen, Schlafen und Essen hat ein Tier beim Bio-Bauern Hollmann nichts zu tun. Die Schweine liegen gemütlich aneinander gekuschelt im Stroh. Sie suhlen sich ausgiebig im Freien oder rennen im Schweinsgalopp durch den Stall.

Ohne ökologische Tierhaltung ist Bio-Fleisch nicht möglich

Laut Hollmann gehört dazu auch eine ausgewogene und gesunde Ernährung der Tiere. Auf dem täglichen Speiseplan der Schweine steht Schrot aus Getreide. Dazu reicht er Ackerbohnen und Erbsen mit Mineralstoffmischung. Als Nachspeise gibt es im Sommer zweimal täglich Gras und Silage im Winter. Als besondere Leckerei wird ein- oder zweimal pro Woche noch aussortiertes Gemüse und Obst serviert.

„Das zufriedene Leben dieser Tiere ist ausschlaggebend für die Qualität des Fleisches“, so Bio-Bauer Hollmann in unserem Interview. Wer Bio-Schweinefleisch bei Kaindl in Friedberg kauft, kann dies bestätigen. Wer einmal gesehen hat, wie artgerechte Tierhaltung praktiziert wird, versteht auch den Preisunterschied zwischen konventioneller Tierhaltung und ökologischer Tierhaltung.

Das Leben der Rinder bei Hollmann ist nicht weniger attraktiv. Auf einer großzügigen Fläche von 80 qm stehen oder liegen die Tiere entspannt im Stall. Auf einer Auslauffläche von 60 qm genießen die Rinder die Sonne und auch den Regen.

 

Bio-Produkte aus ökologischer Landwirtschaft

Feinschmecker schätzen hochwertige Pflanzenöle. Auf den Feldern rund um Miedering baut Walter Hollmann Hanf für die Ölgewinnung an. Das Öl wird aus den Nüssen der Hanfpflanze gepresst. Wegen seines nussigen Geschmacks wird Hanföl gerne für Salat-Dressings und Brotaufstriche verwendet. Auch in der Kosmetik hat Hanföl inzwischen seinen festen Platz. Zum Beispiel bei der Herstellung von Massageöl, Salbe, Creme, Shampoo und Seife. In der Medizin findet Hanföl positive Zustimmung zur Heilung von Entzündungen im HNO-Bereich und diversen Hauterkrankungen.

Bio-Bauer mit sozialer Verantwortung

Abgesehen von seiner Tätigkeit als Bio-Bauer ist Walter Hollmann aktives Mitglied bei Logo eV. Dies ist ein gemeinnütziger Verein, der sich für die berufliche Bildung im Bereich ökologischer Landbau und für die Völkerverständigung engagiert. Demgemäss werden für Agrarstudierende aus Kasachstan, der Ukraine und der Russischen Föderation lehrreiche Fachseminare organisiert. Während eines Auslands-Praktikums erleben junge Studenten ökologische Landwirtschaft. Eben so, wie sie diese in ihrem Land nicht kennen. Zum Beispiel auf dem Bio-Bauernhof von Walter Hollmann.

Ein Praktikum bei einem Bio-Bauern in Deutschland dauert in der Regel sechs bis zwölf Monate. Vor der praktischen Ausbildung erfolgt ein zweitägiges Einführungsseminar. Anschließend folgt ein  einwöchiges Zwischenseminar mit diversen Fachvorträgen und Besichtigungen. Im Anschluss des Praktikums folgt ein Abschlussseminar mit Erfahrungsaustausch und Zeugnisübergabe. Natürlich gibt es auch freie Wochenstunden und Urlaub. Die Praktikantinnen und Praktikanten können sich gegenseitig besuchen oder die Freizeit nuzen, um ein wenig von Westeuropa kennenzulernen.

Wer sein Bewusstsein für das Thema Bio-Fleisch und Artgerechte Tierhaltung schärft, wird erkennen wie viel mühevolle Arbeit dahintersteckt. Wer einmal einen Bio-Bauernhof besucht hat, bringt den Bio-Bauern und Bio-Lebensmittel zeitlebens eine größere Wertschätzung entgegen. Es muss eben nicht der eingeschweißte Schinken oder Eier aus Käfighaltung sein? Greifen Sie lieber zum Weidenkorb und gehen im Bioladen, beim Metzger um die Ecke oder auf dem Wochenmarkt einkaufen.